Besuchshund Dexter: In allen Lebenslagen den Schalk im Nacken

Gestatten: Ich bin Dexter, ein dreijähriger brauner Flat Coated Retriever. Man sagt uns nach, dass uns in allen Lebenslagen der Schalk im Nacken sitzt und wir für unseren verspielten Charakter bekannt sind. Na gut, wenn ich ehrlich bin, kann ich das so schon unterschreiben.

Wie auch immer, nun zum Wesentlichen. Seit Oktober 2018 bin ich als Besuchshund in der Senioreneinrichtung in der Graf-Adolf-Straße aktiv. Jeden Dienstag komme ich für circa eine Stunde in die Einrichtung, um hier mit einer Gruppe von Bewohnerinnen und Bewohnern Spaß zu haben. Ich muss zugeben, dass meine Vorfreude schon immer ins Unermessliche steigt, sobald ich an der Graf-Adolf-Straße ankomme und aus dem Auto raushüpfe. Meine Euphorie ist dann auch für viele Anwesende in der Einrichtung kaum zu überhören, wenn ich fröhlich fiepend die Treppen heraufeile. Im 2. Stock werde ich dann schon von einer Gruppe Seniorinnen und Senioren erwartet und darf zur Begrüßung erstmal eine Runde drehen. Es versteht sich von selbst, dass jede Hand genauestens mit etwas Begrüßungsschlabber inspiziert wird, ich muss ja schließlich wissen, was die Woche über so passiert ist. Einige der Bewohnerinnen und Bewohner kenne ich schon richtig gut, sie sind quasi Dauergäste und haben kaum einen meiner Besuche verpasst. Andere sind ab und zu mal anwesend und lassen sich von mir bespaßen, bei denen lege ich mich dann oft ganz besonders ins Zeug, um sie von mir zu begeistern. Wer bei mir einen Schmusehund erwartet, der wird leider enttäuscht werden. Wozu ausruhen und auch noch hinlegen, wenn es doch so viel zu erleben gibt? Es ist Action angesagt, in welcher Form auch immer. Gerne mache ich ein paar Kunststückchen vor, natürlich nur gegen entsprechende Käse- oder Fleischwurstentlohnung, das versteht sich doch von selbst.

Darüber hinaus stehen Beschäftigungen wie Objekte suchen oder mit den Seniorinnen und Senioren mit einem Spielzeug spielen ganz oben auf meiner Liste der Lieblingsaktivitäten. Zu meinen Favoriten zählen Zerrspiele mit den anwesenden Personen oder ich involviere einen Auserwählten oder eine Auserwählte in ein Fang-Bring-Spiel. Gerne bringe ich den Bewohnerinnen und Bewohnern auch ihre Schuhe, auch diesen Service gibt’s bei mir inklusive. Habe ich erstmal einen „Freiwilligen“ oder eine „Freiwillige“, dann weiche ich nur noch unter Protest von der Seite.

Meistens bin ich so im Spielrausch, dass ich gar nicht merke, dass ich Durst habe oder eine Pause brauche. Dann muss ich von meinem Herrchen fast dazu gezwungen werden, etwas zu trinken und kurz zu pausieren. Am liebsten schlürfe ich direkt aus der Flasche, das spart Zeit, auch wenn mehr als die Hälfte auf dem Boden landet. Na gut, an den Tischmanieren kann ich vielleicht noch arbeiten. Dafür bin ich mit den Gepflogenheiten einer höflichen Verabschiedung bestens vertraut. In der obligatorischen Abschlussrunde gebe ich allen interessierten Bewohnerinnen und Bewohnern zum Abschluss noch ganz brav die Pfote, natürlich auch gegen eine fürstliche und schmackhafte Entlohnung. Bevor es dann aber wirklich zurück nach Hause geht, unternehme ich sicherheitshalber noch eine letzte Bodenbegutachtung und Beschnüffelung, es soll ja nichts übrigbleiben oder gar schlecht werden. Danach ist der Besuchsdienst auch schon wieder vorbei und wir sind uns alle einig, dass die Zeit wie im Flug vergangen ist. Spätestens zuhause merke ich dann doch, wie anstrengend mein Job als Besuchshund ist. Dann suche ich mir eine Ecke in der Wohnung, um auszuschlafen und verarbeite den aufregenden Besuch im Land der Träume.

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